2026/6 - Cardio top. Knie überrascht.

2026/6 - Cardio top. Knie überrascht.

Wenn Radfahrer plötzlich laufen gehen


Es beginnt meistens harmlos.
Ein paar Freunde reden vom Trailrunning. Instagram zeigt plötzlich Sonnenaufgänge am Berg mit minimalistischen Laufschuhen. Und irgendwo zwischen der dritten Espresso-Pause und der nächsten Regenfahrt denkt man sich:

„So schwer kann Laufen ja nicht sein. Ausdauer hab ich eh.“

Und genau dort beginnt die Geschichte.

Denn ja – Radfahrer:innen haben meistens eine verdammt gute Ausdauer. Herz, Lunge und Kopf sind bereit für lange Belastungen. Was allerdings nicht ganz so begeistert mitspielt: Sehnen, Gelenke, Waden und alles, was plötzlich mit Bodenkontakt umgehen muss.

Beim Radfahren sitzt man vergleichsweise gelenkschonend im Sattel. Beim Trailrunning hingegen schlägt die Realität bei jedem Schritt freundlich, aber bestimmt zurück. Besonders bergab.

Und genau dort wartet der Muskelkater deines Lebens.

Nicht dieses „bisschen Ziehen“ nach einer langen Tour. Nein. Wir reden von diesem Muskelkater, bei dem man sich am nächsten Tag seitlich aufs WC fallen lässt wie ein angeschossenes Reh. Treppen werden zum Projekt. Hinsetzen zur Vertrauensfrage.

Warum? Weil bergab laufen exzentrische Belastung bedeutet. Die Muskulatur bremst permanent gegen – etwas, das selbst starke Radbeine nur bedingt gewohnt sind. Der Kreislauf sagt: „Easy.“Die Oberschenkel sagen: „Anzeige ist raus.“

Dazu kommt: Beim Laufen kann man Materialprobleme nicht einfach wegschalten. Kein leichter Gang. Kein E-MTB-Modus. Keine Diskussion über Reifendruck. Nur du, deine Beine und die Erkenntnis, dass der Mensch evolutionstechnisch vielleicht doch lieber rollen sollte.

Was sollte man also beachten, wenn man vom Bike auf die Trails wechselt?

  • Langsam anfangen. Wirklich langsam.
  • Bergab kürzer als das Ego möchte.
  • Gute Schuhe kaufen – nicht nur wegen Instagram.
  • Sehnen und Gelenken Zeit geben. Ausdauer ersetzt keine Anpassung.
  • Und bitte nicht glauben, dass eine 5-Stunden-Rennradausfahrt automatisch für einen Berglauf qualifiziert.

Das Gute daran? Radfahrer:innen lernen schnell. Leiden können sie sowieso. Und die Grundfitness hilft enorm.

Außerdem verbindet Trailrunning und Biken mehr, als man denkt: Natur, Bewegung, Höhenmeter, schlechte Entscheidungen und die permanente Suche nach Snacks.

Und irgendwann passiert es dann doch: Man erwischt sich dabei, wie man nach dem Laufen zufrieden in der Sonne sitzt, Kaffee trinkt und denkt: „Okay… irgendwie war das schon geil.“

Bis zum nächsten Tag. Wenn man versucht aufzustehen.

Ich spreche aus Erfahrung ;)

Zwischen Kette & Kaffee eben.

Mario (07.05.2026)