2026/07 Erholungsurlaub?
Nicht mit mir
Urlaub bedeutet für viele Menschen ausschlafen, am Pool liegen und die Seele baumeln lassen. Bei mir sieht das etwas anders aus.
Meine Urlaube sind meistens eher Trainingslager mit schöner Aussicht. Morgens Trailrunning, zur aktiven Regeneration eine Runde Rennradfahren und wenn die Beine noch nicht komplett protestieren, geht's eben noch in den Bikepark. Ehrlicherweise bräuchte ich nach dem Urlaub meistens noch einen Erholungsurlaub.
Diesmal sollte allerdings alles anders werden.
Irgendwie kam die verrückte Idee auf, statt des gewohnten Bikes einmal das E-Bike mitzunehmen. Genauer gesagt: das Specialized Levo Gen4. Zugegeben – ganz ohne Vorurteile bin ich an die Sache nicht herangegangen. Schließlich hört man als sportlicher Radfahrer immer wieder die gleichen Sprüche: „Das ist doch Schummeln.“ „Da schwitzt man ja gar nicht.“ Oder mein persönlicher Favorit: „Dann kann ich ja gleich Moped fahren.“
Tja. Sagen wir es so: Ich wurde eines Besseren belehrt.
Die Trails rund um den Gardasee haben mir ziemlich schnell gezeigt, dass man auch mit einem E-Bike ganz hervorragend ins Schwitzen kommen kann. Der Unterschied ist nur: Man kommt weiter. Viel weiter.
Trails, für die ich mit dem normalen Bike einen ganzen Tag eingeplant hätte, konnte ich plötzlich miteinander verbinden. Anstiege wurden nicht leichter – sie wurden effizienter. Vor allem technisch anspruchsvolle Uphills entwickelten ihren ganz eigenen Reiz. Linienwahl, Balance, Traktion und die richtige Unterstützungsstufe verlangen Konzentration und Fahrtechnik. Der Motor nimmt dir nicht das Können ab. Er eröffnet dir lediglich neue Möglichkeiten.
Und genau das hat mich überrascht.
Mehr Höhenmeter. Mehr Trails. Mehr Fahrzeit bergab. Weniger Diskussionen mit den eigenen Oberschenkeln darüber, ob die nächste Auffahrt wirklich noch notwendig ist.
Das Levo selbst hat seinen Teil dazu beigetragen. Das natürliche Fahrgefühl, die fein dosierbare Unterstützung und die enorme Reichweite haben dafür gesorgt, dass ich irgendwann aufgehört habe, über das "E" nachzudenken und mich einfach aufs Biken konzentriert habe.
Und das Beste daran?
Es blieb tatsächlich noch Zeit für Dolce Vita (die italienische Kunst, das Leben zu genießen – meist in Form von Espresso, Pasta und dem konsequenten Ignorieren sämtlicher Trainingspläne).
Am Ende des Tages musste ich mir eingestehen: Vielleicht haben wir die Diskussion um das E-Bike jahrelang falsch geführt. Es geht nicht darum, ob etwas leichter oder schwerer ist. Es geht darum, was man daraus macht.
Wer gemütlich fahren möchte, kann gemütlich fahren.
Wer sich komplett ausbelasten möchte, schafft das genauso.
Und wer möglichst viele Trails in einen Urlaub packen will, findet im E-Bike einen verdammt guten Komplizen.
Werde ich deshalb mein Rennrad verkaufen? Sicher nicht.
Werde ich beim Trailrunning künftig bergab weniger Muskelkater haben? Ebenfalls nicht.
Aber eines habe ich gelernt: Man sollte manche Vorurteile einfach hin und wieder mit in den Urlaub nehmen. Idealerweise kommen sie dann nicht mehr mit nach Hause.
Zwischen Kette & Kaffee eben.
Mario (10.06.2026)






